Die Stadt Stettin (Szczecin) liegt im Nordwestens Polens und ist von Berlin aus mit dem Zug in etwa...
Im Rahmen einer Reise durch Usbekistan und Turkmenistan hatten zwei unserer Vereinsmitglieder...
Wie in den obigen Abschnitten erwähnt, hat der Untergrund bereits seit der Antike eine militärische Rolle gespielt. Diese frühen Initiativen waren aber fast harmlos im Vergleich zu den Ereignissen, die sich während des Ersten Weltkrieges unter der Erde abspielten. Als der Konflikt ausbrach, gingen die meisten beteiligten Staaten davon aus, dass es sich um einen kurzen Bewegungskrieg handeln würde. Aber die moderne Waffentechnologie, die in den vorangegangenen Jahrzehnten rasante technische Fortschritte gemacht hatte, begrub diese Träume innerhalb kürzester Zeit. Durch Maschinengewehre, Granatwerfer, Handgranaten, Flammenwerfer, Stacheldraht und später auch Giftgas verwandelte sich der Bewegungskrieg innerhalb kurzer Zeit in einen Stellungskrieg, der eine entsetzliche Zahl von Opfern forderte. Angesichts dieser hohen Verluste gruben sich die Armeen ins Erdreich ein. Das Ausheben von Schützengräben war dabei nur ein Anfang - realen Schutz konnten nur die Unterstände bzw. Bunker bieten, die mehrere Meter tief lagen. Dort mussten die Soldaten bei schwerem Artilleriebeschuss mitunter tagelang ausharren. Bei Volltreffern großkalibriger Geschosse wurden sie oft verschüttet und hatten dann kaum eine Chance, lebendig wieder ans Tageslicht zu gelangen.
Angesichts dieser festgefahrenen Situation fingen beide Seiten an, Tunnel zu graben, die unter die Stellungen der gegnerischen Truppen führten. Dort wurden dann riesige Sprengladungen plaziert, die die feindlichen Positionen überraschend vernichten sollten. Die taktischen Erfolge, die man so erringen konnte, waren meistens jedoch gering, da die so entstandenen Löcher in der Front schnell wieder gestopft werden konnten. Außerdem gruben speziell ausgebildete Einheiten Stollen, in denen sie mit besonderen Geräten die unterirdischen Aktivitäten des Gegners hören und lokalisieren konnten. Sodann versuchten sie, die aufgespürten Tunnel zu sprengen oder zu stürmen. Diese Kämpfe, die oft in fast völliger Dunkelheit stattfanden, waren für die beteiligten Soldaten extrem belastend. Bis heute stellen übrigens die zahllosen Blindgänger, die noch auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges liegen, eine Bedrohung für die dort lebenden Menschen dar!
Im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg war der Konflikt, den die Nazis 1939 vom Zaun brachen, ein Bewegungskrieg. Der Panzer hatte sich mittlerweile als Kriegsmittel durchgesetzt und erlaubte eine relativ schnelle, mobile Kriegsführung. Aufgrund der sich somit permanent bewegenden Frontlinien ergab es für die Soldaten im Feld normalerweise keinen Sinn, Schützengräben auszuheben oder verbunkerte Unterstände zu bauen. Trotzdem gab es während dieses Krieges zwei große Bewegungen in den Untergrund hinein, wo Menschen - und später auch Maschinen - Schutz vor der Vernichtungskraft moderner Waffen suchten. Diese Menschen waren Zivilisten, nicht Soldaten. Sie flüchteten vor den Bomben, die auf ihre Städte abgeworfen wurden. Bereits während des Ersten Weltkrieges waren englische, französische und deutsche Städte das Ziel gegnerischer Bomber geworden. Diese Luftangriffe waren jedoch vergleichsweise harmlos, auch wenn sie zum Beispiel in London zu panischen Reaktionen führten. In der Zwischenkriegszeit wurde der Bomber zu einer äußerst schlagkräftigen Waffe weiterentwickelt, dessen tödliches Potential während des spanischen Bürgerkrieges bereits in aller Deutlichkeit demonstriert wurde. Deutsche Bomber der „Legion Condor", die General Franco unterstützte, legten 1937 die Stadt Guernica in Schutt und Asche.
Als die Wehrmacht 1939 in Polen einmarschierte, gehörten systematische Bombenangriffe auf die Zivilbevölkerung von Anfang an zur Strategie der deutschen Kriegsführung. Auf diese Art und Weise sollte die Kriegsmoral der Menschen empfindlich getroffen werden. Warschau und Rotterdam wurden dabei schwer getroffen. Die schlimmsten Bombenangriffe musste jedoch Großbritannien erleiden, dessen Städte 1940-41 von der deutschen Luftwaffe anhaltend bombardiert wurden. Dabei erlitten vor allem London und Coventry große Schäden. Da es zu jener Zeit so gut wie gar keine Luftschutzbunker gab, drängte die Bevölkerung in die U-Bahnstationen hinein, in denen sie vor den Bomben relativ sicher war (bereits im Ersten Weltkrieg hatten die Londoner dort Schutz vor deutschen Angriffen gesucht!). Die Behörden versuchten zunächst, diesen Ansturm zu bremsen, da sie Störungen des Zugverkehrs befürchteten. Darüber hinaus befürchteten sie, dass die Menschen sich irgendwann weigern könnten, wieder an die Oberfläche zurückzukehren. Nach kurzer Zeit gaben die Behörden aufgrund des großen Andrangs die Stationen aber doch frei. Im weiteren Verlaufe des Krieges wurden unterirdische Luftschutzbunker gebaut.
Ab 1941 wurden dann deutsche Städte das Ziel immer größerer Luftangriffe. Auch die Alliierten hofften, mit massiven Bombardements den Kriegswillen der gegnerischen Zivilbevölkerung brechen zu können. Die deutsche Luftabwehr war zu schwach, um diese Angriffe abzuwehren und die betroffene Zivilbevölkerung musste somit Schutz unter der Erde suchen. Bei Kriegsbeginn standen in den großen Städten Luftschutzbunker aber nur einem sehr kleinen Teil der Bevölkerung zur Verfügung. Die Bauprogramme, die in den folgenden Jahren initiiert wurden, konnten diesen Mangel nicht beheben, sondern nur geringfügig reduzieren. In Berlin gab es zum Beispiel bei Kriegsende Luftschutzräume für etwa 5 Prozent der Bevölkerung. Die Anderen, sofern man sie nicht schon in ländliche Regionen evakuiert hatte, mussten in den Kellern ihrer Häuser ausharren. Sicher waren sie dort allerdings nicht, bei Volltreffern konnten die Insassen verschüttet oder verbrannt werden. In anderen Fällen erstickten Menschen, starben an Gasvergiftungen oder ertranken, nachdem Wasserleitungen getroffen worden waren.
Die Bombenangriffe der Alliierten nahmen im Laufe der Zeit an Wucht und Treffsicherheit immer weiter zu. Dies bedeutete auch eine Gefahr für die deutsche Rüstungsindustrie. Die militärische Führung befürchtete, dass die Allierten mit gezielten Schlägen bestimmte Schlüsselindustrien lahmlegen könnten. Aus diesem Grunde wurden die militärischen Betriebe ab 1943 zunehmend unter die Erde verlegt. Nachdem man alle zur Verfügung stehenden Tunnel, Stollen, Gewölbe und Höhlen systematisch erfasst hatte, entstanden im Rahmen der „U-Verlagerung" hunderte unterirdische Fabriken, in denen alles von Patronen bis zur komplexen „Vergeltungswaffe" V2 produziert wurde. Dieses Großprojekt war nur durch den Einsatz zahlloser Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge möglich, die diese Betriebe unter den entsetzlichsten Bedingungen aufbauen und oft sogar unter der Erde leben mussten! Ihre totale militärische Niederlage konnten die Nazis mit dieser Maßnahme freilich nicht verhindern.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde zum ersten Mal systematisch eine neue Waffe verwendet, die den Untergrund zu einem Ort des besonderen Schreckens machen sollte: die Tretmine. Diese Sprengkörper wurden millionenfach vergraben, um gegnerischen Truppen Territorium zu verwehren. Das Betreten verminter Gebiete war oft mit einem großen Risiko verbunden. Die eingegrabenen Sprengkörper explodierten, sobald man auf die Erde über ihnen trat. Ihre Wirkung war tödlich oder hatte schwere Verletzungen zur Folge. Besonders heimtückisch war und ist an diesen Waffen, dass sie über Jahrzehnte hinweg „scharf" bleiben, das heißt, sie können mitunter auch jetzt noch explodieren. Zusammen mit den zahllosen Blindgängern des Zweiten Weltkrieges - etwa 10% der damals verwendeten Bomben und Granaten zündeten nicht - stellen sie an vielen Orten noch immer eine Gefahr dar. Jedes Jahr müssen Millionen Euro für die Räumung dieser „Kampfmittel" aufgewendet werden.